KVP einfach erklärt | Kontinuierlicher Verbesserungsprozess nach ISO 9001, ISO 14001 und ISO 27001

KVP: Der kontinuierliche Verbesserungsprozess im Unternehmen

Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) ist einer der zentralen Grundgedanken der ISO 9001, ISO 14001 und ISO 27001. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Unternehmen sollen sich nicht einmalig verbessern, sondern ihre Abläufe, Leistungen und Systeme Schritt für Schritt weiterentwickeln. In der Praxis bedeutet das, regelmäßig zu prüfen, was gut läuft, wo es Probleme gibt und wie sich Prozesse konkret verbessern lassen. So entstehen keine großen Umbrüche, sondern viele kleine, kontinuierliche Verbesserungen – genau das macht Unternehmen langfristig erfolgreicher, effizienter und widerstandsfähiger.

Warum KVP im Unternehmen?

Viele Unternehmen etablieren einen KVP, weil sie im Rahmen einer ISO 9001 Zertifizierung Strukturen und Prozesse in Form eines Qualitätsmanagementsystems nachweisen müssen. Doch kontinuierliche Verbesserung ist weit mehr: Sie ist eine Grundhaltung innerhalb eines Unternehmens und ein wesentlicher Bestandteil der ISO-Philosophie.

  • Qualitätsmanagement (ISO 9001): KVP bedeutet, Prozesse, Produkte und Dienstleistungen laufend zu verbessern, um Fehler zu reduzieren und die Kundenzufriedenheit nachhaltig zu steigern.
  • Umweltmanagement (ISO 14001): KVP zielt darauf ab, Umweltbelastungen kontinuierlich zu verringern, Ressourcen effizienter zu nutzen und Umweltziele Schritt für Schritt zu erreichen.
  • Informationssicherheitsmanagement (ISO 27001): KVP sorgt dafür, Risiken regelmäßig zu überprüfen, Sicherheitsmaßnahmen anzupassen und die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens gegenüber Bedrohungen kontinuierlich zu erhöhen.

Der Unterschied zwischen ISO 9001, ISO 14001 und ISO 27001 einfach erklärt

Die fünf wichtigsten Fragen zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP)

In unserer langjährigen Praxis sind wir immer wieder mit Fragen zur kontinuierlichen Verbesserung und dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Unternehmen konfrontiert worden. Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten haben wir für Sie zusammengetragen.

Was ist der Unterschied zwischen KVP und Ideenmanagement?

KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess) ist eine aktive Methode, mit der Teams vor allem im Bereich der Produktion Prozesse kontinuierlich verbessern. Ideenmanagement bezeichnet ein generelles Verfahren, mit dem die Ideen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus dem gesamten Unternehmen gesammelt, bewertet und honoriert werden. Trotz dieser Unterschiede gibt es auch Überschneidungen zwischen Ideenmanagement und KVP.

Was ist ein KVP-Team?

Ein KVP-Team wird innerhalb des Unternehmens zusammengestellt und besteht in der Regel aus einem KVP-Coach und mehreren Beschäftigten aus dem Bereich. Gemeinsam werden in KVP-Zirkeln und KVP Workshops Schwachstellen bestehender Prozesse analysiert und Lösungen zur Steigerung der Effizienz entwickelt. Das KVP-Team ist ein fester Bestandteil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

Ist KVP das Gleiche wie Prozessoptimierung?

Prozessoptimierung ist der Oberbegriff für das, was durch den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) erreicht werden soll. Beim kontinuierlichen Verbesserungsprozess geht es – ähnlich wie bei Methoden wie Six Sigma oder KAIZEN – darum, die Effizienz von Prozessen vorher und nachher zu messen. KVP ist demnach eher die Methode, Prozessoptimierung das Ziel.

Was macht ein KVP-Coach?

Ein KVP-Coach organisiert den kontinuierlichen Verbesserungsprozess und führt KVP-Zirkel im Unternehmen durch. Er oder sie ist häufig Methodenexperte und nutzt Kreativitätstechniken, um Workshops zu moderieren und Lösungen zu entwickeln. Ein KVP Coach wirkt wie ein interner Trainer, der Kollegen und Kolleginnen anleitet und motiviert.

Was ist der Unterschied zwischen Prozessinnovation und KVP?

Bei der Prozessinnovation werden Prozesse neu entwickelt beziehungsweise radikal verändert. Beim kontinuierlichen Verbesserungsprozess geht es eher darum, einzelne Elemente bestehender Prozesse zu nehmen und diese zu optimieren. Prozessinnovation ist beispielsweise der Einsatz künstlicher Intelligenz innerhalb von Prozessen, während KVP eher die Suche nach Schwachstellen und die Erarbeitung von Lösungen innerhalb bestehender Prozesse beschreibt.

Geschichte des KVP

Der Gedanke, Mitarbeiter/-innen am kontinuierlichen Verbesserungsprozess der Eigenoptimierung zu beteiligen, ist nicht neu. Im deutschsprachigen Raum lässt er sich bis ins Jahr 1888 zurückverfolgen. In einer vielzitierten Schrift von Alfred Krupp hieß es damals, dass »Anregungen und Vorschläge zu Verbesserungen … aus allen Teilen der Mitarbeiter dankbar entgegenzunehmen und durch Vermittlung des direkten Vorgesetzten an das Directorium zu befördern« sind. Krupp hatte schon damals eines der wesentlichen Probleme im Umgang mit Ideen erkannt: Wie sollen Vorgesetzte mit Mitarbeitern/-innen umgehen, die zwar motiviert sind und Vorschläge liefern, aber deren Ideen entweder nicht ausgereift oder nicht umsetzbar sind? Krupp schrieb: »Eine Abweisung der gemachten Vorschläge ohne eine vorangegangene Prüfung derselben soll nicht stattfinden, wohingegen denn auch erwartet werden muss, dass eine erfolgte Ablehnung dem Betreffenden, auch wenn ihm ausnahmsweise nicht alle Gründe mitgeteilt werden können, genüge und ihm keineswegs Grund zur Empfindlichkeit oder Beschwerde gebe.«

Als Managementprinzip ist die Methode des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) stark von der Philosophie des Kaizen inspiriert. In Japan ist die Kultur des Kaizen (wörtlich „Veränderung zum Besseren“) ein Teil der Lebensphilosophie. Der Wandel zum Besseren, das Streben nach Perfektion durch kleine Schritte jeden Tag. Im Kern sind Sie bereits ein Kaizen-Anhänger, wenn Sie sich jeden Tag fortbilden und versuchen, Ihre Arbeitsprozesse zu optimieren. Die Philosophie des Kaizen hat Auswirkungen bis ins Privatleben: Durch ständige Verbesserungen können Sie Ihre Wohnung oder Ihre Freizeit perfektionieren. Ob Sie das in jedem Fall wollen, ist Ihnen überlassen.

Merkmale und Ziele des KVP

KVP ist – und hier liegen die Parallelen zum Kaizen – im Kern eine Philosophie und keine starre Vorgabe. Es geht nicht darum, Prozesse stur einzuhalten, sondern sie im Alltag sinnvoll weiterzuentwickeln. Im Gegenteil: KVP soll und darf praxisnah sein und im Unternehmen gelebt werden.

Gerade im Kontext von ISO Zertifizierungen – wie ISO 9001, ISO 14001 und ISO 27001 – wird diese Denkweise zum festen Bestandteil des Managementsystems. Die Normen fordern keine einmalige Optimierung, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Qualität, Umweltleistung und Informationssicherheit.

Damit diese Philosophie im Tagesgeschäft nicht untergeht, braucht der kontinuierliche Verbesserungsprozess jedoch klare Strukturen. Dazu gehören einfache Wege, Verbesserungen zu erfassen, Verantwortlichkeiten festzulegen und Maßnahmen nachzuverfolgen, sodass Verbesserungen nicht zufällig entstehen, sondern systematisch umgesetzt werden.

Erfolgsfaktoren im kontinuierlichen Verbesserungsprozess KVP

  • Wie können wir unsere Produktivität steigern? Wie können wir mehr aus unserem Unternehmen und unseren Abläufen herausholen?

  • Wo gibt es Einsparpotenzial? Wo können wir Zeit sparen, damit mehr Mitarbeiter/-innen Arbeiten mit höherer Qualität und Priorität ausführen können? Wo stehen bürokratische Hürden einer effizienten Arbeit im Weg?

  • Wie können wir unsere Produktqualität bzw. Produktionsqualität verbessern?

Als KVP-Spezialist oder KVP-Coach haben Sie unter anderem die Aufgabe, Mitarbeiter/-innen, die Vorschläge gemacht haben, zu motivieren, weitere Ideen zu liefern. Der wichtigste Grundsatz lautet dabei: Auf jeden Vorschlag folgt eine schnelle Rückmeldung mit einem Dankeschön. Selbst wenn eine Idee abgelehnt wird, bedanken sich die KVP-Verantwortlichen im kontinuierlichen Verbesserungsprozess und teilen die Gründe dafür mit. Dem liegt eine einfache Logik zu Grunde: Wer eine Idee äußert, von der er selbst nicht unmittelbar profitiert, macht seinem Unternehmen ein Geschenk. Wer ein Geschenk annimmt, ohne danke zu sagen oder es ignoriert, braucht keine weiteren Geschenke zu erwarten.

Der KVP-Prozess

Der KVP-Prozess beginnt im ersten Schritt mit der Chancenanalyse: Der systematischen Suche nach Problemen in Abläufen und Prozessen. In der Regel werden hierzu interne Workshops in Form von Qualitätszirkeln durchgeführt. Im Qualitätszirkel wird der IST-Zustand hinsichtlich der Qualität und Effizienz von Prozessen und Produkten hinterfragt. Zeitgleich werden Lösungsansätze gesucht – beispielsweise Beispiele von Unternehmen, die bestimmte Abläufe besser organisiert haben. Ziel der ersten Phase ist es, Chancen für die Optimierung und Verbesserung zu identifizieren.

Im zweiten Schritt erfolgt die Ideengenerierung und Ideenentwicklung. Dazu kommen unterschiedliche Kreativitätstechniken zum Einsatz. Die Ideen werden durch gezielte Vertiefungsfragen zu einem Konzept entwickelt. Im dritten Schritt erfolgt die Evaluierung der Ideen hinsichtlich ihrer Eignung zur Problemlösung und ihrer Umsetzbarkeit. Im vierten Schritt werden die besten Ideen und Konzepte umgesetzt.

KVP-Management: Voraussetzungen für einen erfolgreichen kontinuierlichen Verbesserungsprozess

Damit der kontinuierliche Verbesserungsprozess innerhalb eines Unternehmens fest verankert wird, braucht es ein nachhaltiges Engagement. Wie es nicht funktioniert, zeigt das folgende Beispiel aus einem Unternehmen: Ein Bereichsleiter fordert seine Mitarbeiter auf, per E-Mail Verbesserungsvorschläge zur Optimierung der Produkt- und Prozessqualität einzureichen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen machen sich Gedanken. Sie schicken ihre Ideen. Eine Woche später haben sie immer noch keine Antwort erhalten. Einzelne Lösungsvorschläge und Ideen werden in den kommenden Wochen bearbeitet, andere nicht. Die Initiative scheitert: Ein Strohfeuer statt kontinuierlicher Verbesserung. Schlimmer noch: Initiativen wie diese hinterlassen demotivierte Mitarbeiter/-innen.

Aussagen wie »Unverschämtheit!« und »Wieso soll ich mir hier Gedanken machen, wenn die letztlich sowieso keinen interessieren?« zeigen, dass Ideen- und Verbesserungsinitiativen – ohne ein funktionierendes KVP-System – demotivierend wirken können. Auch in der täglichen Arbeit bekommen Mitarbeiter/-innen schnell das Gefühl, dass ihre Ideen und Lösungsvorschläge keine Berücksichtigung finden. Dabei haben ihre KVP-Ideen vielleicht gerade nur nicht auf die aktuelle Agenda einer Führungskraft gepasst und wurden deshalb nicht beachtet. Diese – aus Sicht einer Führungskraft durchaus nachvollziehbare – Reaktion kann Mitarbeitern/-innen schnell den Wind aus den Segeln nehmen: Um einer Enttäuschung zuvorzukommen, ziehen sie es vor zu schweigen. Hier bieten die Methoden des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses Lösungsansätze.

Ein gutes KVP-System zeichnet sich dadurch aus, dass alle Beteiligten profitieren: Das Unternehmen gewinnt eine Vielzahl von Verbesserungsvorschlägen, die einzelnen Mitarbeiter/-innen fühlen sich ernst genommen und können sich entfalten, was ihre Motivation steigert und das Betriebsklima verbessert.

Das Unternehmen

  • spart Kosten, indem Arbeitsabläufe vereinfacht, überflüssige Ausgaben reduziert und bürokratische Vorgänge effizienter gestaltet werden,

  • beginnt einen Prozess ständiger Eigenoptimierung und Verbesserung, der dazu beiträgt, die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen,

  • bindet Mitarbeiter in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess ein und schafft so ein Bewusstsein für unternehmerisches Denken.

Die Mitarbeiter

  • haben Gelegenheit, durch KVP ihr eigenes Arbeitsumfeld zu gestalten und zu verbessern,

  • bekommen das Gefühl, gehört und gebraucht zu werden, was einen erheblichen Einfluss auf ihre Zufriedenheit und ihre Motivation hat,

  • können von den Einsparungen in Form von Anerkennung oder sogar Prämien profitieren.

Machen Sie den Test: Wie gut ist Ihr KVP in Ihrer Unternehmenskultur verankert?

Die nachfolgenden 10 Fragen soll Ihnen helfen einzuschätzen, ob Ihre Unternehmenskultur KVP eher fördert oder behindert. Schätzen Sie die Situation möglichst realistisch ein. Wenn es beispielsweise heißt „Auch ungewöhnliche Vorschläge und Ideen sind willkommen“, antworten Sie nur dann mit Ja, wenn bei „komischen“ Ideen niemand in Ihrem Unternehmen lacht, die Augen verdreht, stöhnt oder Ähnliches.

  • Je weiter die Antworten rechts liegen, desto mehr ist KVP als Philosophie in Ihrer Unternehmenskultur enthalten.
  • Je weiter links die Antworten liegen, desto geringer ist die kulturelle Unterstützung für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess.
Nein Klappt nicht so richtigt Teilweise Wir sind auf dem Weg Ja
Wir haben klare Verbesserungsziele im KVP
Wir gehen systematisch auf die Suche nach Problemen
Wir analysieren Probleme gründlich bevor wir Lösungsideen entwickeln
Wir nehmen uns in KVP-Teams die Zeit, kreativ zu sein und Ideen zu spinnen
Ideensammlung und –bewertung finden getrennt statt
Auch ungewöhnliche Ideen und Lösungsvorschläge sind willkommen
Ideen werden aufgegriffen und im kontinuierlichen Verbesserungsprozess weiterentwickelt
Vernichtende und persönliche Kritik wird zurückgewiesen
In unserem Unternehmen herrscht Transparenz – Wissen und Ideen werden ausgetauscht
Wir nutzen eine Software, um Mitarbeiter miteinander zu vernetzen.

Typische Rollen im kontinuierlichen Verbesserungsprozess

Im kontinuierlichen Verbesserungsprozess fallen den Verantwortlichen und Experten eine Reihe von Rollen zu. Primär sind sie im KVP die Katalysatoren für Problemdiskussionen und neue Ideen: Fragen stellen, Kreativtechniken anwenden und so eine Vielzahl an Erkenntnissen und Ideen sammeln. Sie haben jedoch auch noch weitere Funktionen.

Die Anzahl und die Qualität der Ideen wird zu einem großen Teil davon bestimmt, wie die KVP-Experten die verschiedenen Rollen ausfüllen. Ein KVP-Team zu leiten ist eine ständige Gratwanderung zwischen dominanter Führung und offenem Gespräch. Eine zu dominante Teamleitung würgt schnell Ideen ab, bei zu offener Gesprächsführung besteht die Gefahr, dass das Ziel verloren geht. Übrigens: Je kreativer und eindeutiger die Fragen sind, desto kreativer sind die Ideen der Teilnehmer/-innen im kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Weitere Rollen im KVP-Team

Die Effizienz eines KVP-Teams lässt sich dadurch erhöhen, dass es eine bestimmte Zusammensetzung hat. Wenn ein Team zum Beispiel ausschließlich aus Ideenspinnern besteht, kommen am Ende zwar viele Ideen und Anregungen heraus, aber nicht unbedingt umsetzbare Entscheidungen. Sind umgekehrt zu viele Entscheider in einem KVP-Team, besteht die Gefahr einer permanenten Diskussion. Am Ende steht zwar eine Entscheidung, sie geht aber auf Kosten der Ideenvielfalt. Ein KVP-Team kann sein kreatives Potenzial voll ausschöpfen, wenn drei wichtige Pole vertreten sind.

  • Der Inspirator und Vermittler

    Er bringt die Themen und Ideenfragmente in die KVP-Diskussion ein, er eröffnet, leitet und schließt Themen ab. Er sorgt dafür, dass die Ideenspinner das Ziel nicht aus den Augen verlieren und achtet zugleich darauf, dass die Entscheider Ideen und Lösungsvorschläge nicht totdiskutieren, bevor sie sich überhaupt entwickeln konnten. In der Praxis des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses hat sich gezeigt, dass schon am Anfang schnell eine Diskussion darüber entsteht, ob das Thema, über das diskutiert werden soll, überhaupt ein Thema ist. Hier hat es sich als hilfreich erwiesen, wenn der Inspirator und Vermittler den Kritikern den Wind aus den Segeln nimmt, indem er die negative Kritik positiv auffasst und als Quasi-Idee aufschreibt oder die Kritik nicht zulässt und darauf hinweist, dass die Diskussion im KVP-Prozess erst später stattfindet.

  • Der Ideenspinner

    In beinahe jedem Unternehmen gibt es die „bunten Vögel“, die durch Schlagfertigkeit auffallen, die mitunter an Respektlosigkeit grenzt. Diese Ideenspinner können am eigenen Arbeitsplatz oder in anderen Abteilungen sitzen. Es können Mitarbeiter/-innen aus Finanzen und Buchhaltung, Marketing oder Vertrieb, Technik oder Außendienst sein, die Ideen für Probleme in anderen Bereichen einbringen.
    Ideenspinner werden durch Spaß motiviert. Die Aussicht, an einer kreativen Sitzung teilzunehmen, 30 Minuten zu lachen und mit versponnenen Ideen zu jonglieren, lässt sie aufleben. Sie nutzen jede Gelegenheit, vor langweiligen Routinearbeit zu flüchten. Falls Sie solche Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen im Unternehmen haben: Laden Sie sie ein! Auch für fachfremde Fragen! Sie werden überrascht sein, wie viele ungewöhnliche Ideen Sie im kontinuierlichen Verbesserungsprozess erhalten.

  • Der Macher

    Ein effizientes, kreatives KVP-Team zeichnet sich dadurch aus, dass Teilnehmer/-innen die gewonnenen Ideen in Form von Lösungen formulieren und gedanklich sofort damit beginnen, sie umzusetzen. Im Idealfall haben die Macher im Team bereits eine Vorstellung davon, wer die Ideen umsetzen kann und wie die Lösungsvorschläge in der täglichen Routine eingebracht werden. Macher im kontinuierlichen Verbesserungsprozess können Diskussionen und Ideenentwicklung immer wieder gezielt voranbringen, indem sie nach Vorschlägen zur Umsetzung von bestimmten Ideen fragen.

Barrieren im KVP

Um Mitarbeiter/-innen gezielt in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzubinden, müssen sie einerseits motiviert werden, andererseits gilt es Barrieren abzubauen, die den Einzelnen davon abhalten, Ideen zu liefern: Informationsbarrieren, Fähigkeitsbarrieren, Willensbarrieren und Risikobarrieren sind vier Hindernisse, die in der Fachliteratur immer wieder genannt werden.

Informationsbarrieren als Hindernis im KVP

Nur ein geringer Teil der Mitarbeiter/-innen ist wirklich darüber informiert, welchen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen sich ein Unternehmen zu stellen hat, mit welchen Strategien es sich am Markt behaupten möchte und wie genau jeder Einzelne durch Verbesserungsvorschläge und Ideen dazu beitragen kann, die Ziele des Unternehmens zu erreichen.

Ob mit oder ohne einen etablierten KVP bzw. einen gelebten kontinuierlichen Verbesserungsprozess: Es kann gute Gründe dafür geben, der Mitarbeiterschaft nicht jedes Detail einer Unternehmensstrategie mitzuteilen, trotzdem bleibt in zahlreichen Unternehmen Wissen hinter den verschlossenen Türen der Geschäftsführung oder Bereichsleitung. Um Mitarbeiter/-innen zum Mitdenken zu bewegen, ist ein gewisses Maß an Transparenz unumgänglich:

  • Um wie viel genau muss das Unternehmen effizienter oder qualitativ besser werden?

  • Wie viele Einsparungen oder Qualitätsverbesserungen könnten mit den aktuell vorhandenen und umgesetzten Lösungsvorschlägen erreicht werden?

  • Um wie viel müssen einzelne Abteilungen oder Bereiche effizienter werden?

  • Wie steht ein bestimmtes Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb?

  • Wie profitieren Mitbewerber vom kontinuierlichen Verbesserungsprozess? Wo hat ihr KVP ihnen Vorsprünge gebracht?

Aus Sicht einer Geschäftsführung wird häufig argumentiert, man wolle keine Unruhe in die Mitarbeiterschaft bringen und halte gerade solche Themen deshalb unter Verschluss. Was häufig zu Folgendem führt: Mitarbeiter/-innen hören Gerüchte, sie versuchen Signale zu interpretieren und fragen sich, warum sie nicht informiert werden. Die Angst vor dem, was kommen mag, wird zum beherrschenden Thema. Höhere Transparenz kann Denkprozesse auslösen, Angst führt zu Blockaden. KVP als Philosophie, abgebildet in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, braucht Transparenz über die Herausforderungen und Ziele eines Unternehmens bzw. einer Abteilung.

Fähigkeitsbarrieren bei Mitgliedern von KVP-Teams

Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen, sie als Probleme zu definieren und Alternativen aufzuzeigen, sind wesentliche Fähigkeiten, um im KVP ständige Verbesserungsideen zu erarbeiten. Diese Fähigkeiten sind nicht bei allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gleichermaßen stark ausgeprägt bzw. trainiert. Es gibt Mitarbeiter/-innen, die punktgenau jede Schwachstelle beispielsweise eines Produktionsprozesses kennen und bestehende Zustände regelmäßig kritisieren, die aber nicht in der Lage sind, die Probleme als Herausforderung anzunehmen und sie zu lösen. Im Unternehmen werden sie häufig als Nörgler betrachtet. Das ist verkehrt: Sie haben eine ausgeprägte Fähigkeit zum Erkennen von Problemen – beispielsweise in einem Produktionsprozess. Die Wissenschaft nennt diese kreative Fähigkeit „Problemsensitivität“. Im KVP ist diese Fähigkeit vor allem in der Phase der Problemerkennung und –analyse wichtig. Die Alternative wären Mitarbeiter/-innen, die sich durch Kritiklosigkeit gegenüber dem eigenen Unternehmen auszeichnen: Bestehende Zustände werden als gegeben akzeptiert. Zwar bemerken Mitarbeiter/-innen mit einer geringen Problemsensitivität, dass Konferenzen zu lang sind, bürokratische Hindernisse die Arbeit erschweren oder für bestimmte Leistungen mehr Geld als notwendig ausgegeben wird, doch sie sehen darin keine Gelegenheit zur Optimierung. Im kontinuierlichen Verbesserungsprozess ist es wichtig, dass Mitarbeiter/-innen nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. Die einen sind gut im Kritisieren, die anderen gut im Erarbeiten von Lösungen. Nicht jeder muss zwingend beide Fähigkeit haben.

Fähigkeitsbarrieren lassen sich durch KVP abbauen. Beispielsweise durch einen Newsletter, in dem Beispiele aus der Praxis vorgestellt werden: Welches Qualitätsprobleme wurden innerhalb eines bestimmten Teams erkannt? Welche Lösungsvorschläge wurden erarbeitet? Wie wurde die Lösung umgesetzt? Auch durch konkrete Aufgabenstellungen, bei denen ein Teamleiter bestimmte Problemstellungen bereits vorgibt: „Wir planen gerade einen internen Bürokratie-TÜV und versuchen Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Wenn Sie Ideen haben, wie wir uns alle die Arbeit etwas einfacher machen können, würde ich mich freuen.“

Gerade zu Beginn kann es einige Zeit dauern, bis Mitarbeiter/-innen dafür sensibilisiert sind, Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken und diese zu formulieren. KVP braucht Zeit.

Willensbarrieren als Bremse im KVP

Eine gewisse Trägheit und Unlust zur Veränderung gehört zum menschlichen Wesen. Es gibt Mitarbeiter/-innen, bei denen diese Bequemlichkeit stärker ausgeprägt ist als bei anderen, die im Laufe der Zeit eine Gleichgültigkeit dem Geschehen und bestimmte Ressentiments dem Unternehmen gegenüber aufgebaut haben. Dieses Phänomen, das vielfach mit einer inneren Kündigung gleichzusetzen ist, kann auf einem grundsätzlichen Konflikt zwischen den Vorgaben der Unternehmensführung und den eigenen Zielen beruhen, auf persönlichem Frust oder einer Ablehnung von Kollegen oder Vorgesetzten.

Der kontinuierliche Verbesserungsprozess kann dazu beitragen, solche Barrieren abzubauen. Es ist wichtig, dass Mitarbeiter/-innen Spaß an der KVP-Philosophie entwickeln. Machen Sie aus Ihrem KVP keine Pflichtübung! Nutzen Sie Ihren kontinuierlichen Verbesserungsprozess als Motor für eine Unternehmenskultur, die Ideen und Veränderungen fördert!

Risikobarrieren: Wenn KVP gefährlich wird

In den seltensten Fällen werden Mitarbeiter/-innen im KVP zu Kannibalisierung neigen, d.h., Vorschläge einreichen, die ihren eigenen Arbeitsplatz bzw. die Arbeitsplätze von Kollegen überflüssig machen. Auch werden Mitarbeiter/-innen eher selten Ideen einbringen, deren Verwirklichung zur Folge hätten, dass sie sich ernsthaft verändern müssten. Diese so genannten Risikobarrieren, also die Befürchtung, durch Verbesserungsvorschläge persönliche Nachteile zu erlangen, wird von Verantwortlichen im kontinuierlichen Verbesserungsprozess immer wieder als größtes Hindernis genannt.

Fazit: Barrieren im KVP sind überwindbar

Diese Barrieren können nur durch Offenheit und Transparenz langsam abgebaut werden. In einem Unternehmensklima, das durch Angst geprägt ist, werden Mitarbeiter/-innen jede Aufforderung, Verbesserungsvorschläge einzureichen, misstrauisch beäugen. Von einer Atmosphäre des Vertrauens und der Fairness hingegen kann der kontinuierliche Verbesserungsprozess stark profitieren. Auch der Einsatz von Arbeitsgruppen kann helfen, Barrieren abzubauen: Wenn mehrere Mitarbeiter gemeinsam die Situation eines bestimmten Bereichs analysieren oder Vorschläge erarbeiten, um Arbeitsabläufe zu optimieren, werden die Barrieren geringer.

Zu Beginn ist es für einen Vorgesetzten mitunter gewöhnungsbedürftig, auf einen Verbesserungsvorschlag im KVP positiv zu reagieren, vor allem dann, wenn dieser auch als Schwäche des eigenen Verhaltens bzw. der eigenen Führungskompetenz ausgelegt werden kann. Vorgesetzte, die das Instrument des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zur Optimierung der Arbeit nutzen wollen, müssen sich zunächst einmal von der Vorstellung verabschieden, dass sie sämtliche Abläufe in ihrer Organisation kennen, alleine dafür sorgen können, dass eine Organisation effizient arbeitet und sofort auf Veränderungen reagieren und die Arbeit der Organisation anpassen können.