Was ist eine akkreditierte Zertifizierung?
Was ist eine akkreditierte Zertifizierung? Leitfaden für Unternehmen
Dieser Artikel klärt praxisnah, was eine akkreditierte Zertifizierung ist und ob Unternehmen sie wirklich benötigen. Sie lernen den Unterschied zur freien (nicht akkreditierten) Zertifizierung kennen. Im Artikel lernen Sie ebenfalls die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen, damit Sie eine fundierte und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung für Ihr Unternehmen treffen können.
Zum Hintergrund: Viele Geschäftsführer und Verantwortliche vor allem kleiner Unternehmen stehen früher oder später vor der Frage: Reicht eine „normale“ ISO-Zertifizierung – oder muss sie zwingend akkreditiert sein? Auch Verantwortliche im Einkauf großer Unternehmen müssen sich die Frage beantworten: Akzeptieren wir eine nicht akkreditierte Zertifizierung oder bestehen wir auf einer akkreditierten Zertifizierung? Immerhin führt die Akkreditierung auf beiden Seiten zu höherem Aufwand und höheren Kosten.
In diesem Artikel erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Ist eine akkreditierte Zertifizierung für ISO 9001, ISO 14001 und ISO 27001 vorgeschrieben?
Was ist der Unterschied zwischen einer nicht akkreditierten und akkreditierten Zertifizierung?
Brauche ich eine akkreditierte Zertifizierung für eine Ausschreibung?
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Ist eine akkreditierte ISO-Zertifizierung vorgeschrieben?
Nein. Eine akkreditierte Zertifizierung ist nicht vorgeschrieben. Es gibt keine ISO-Vorgabe, die eine Akkreditierung zwingend verlangt. Auch im Vergaberecht – z. B. in § 49 der Vergabeverordnung (VgV) – ist festgelegt, dass Auftraggeber auch andere Nachweise akzeptieren müssen, wenn ein Unternehmen ein bestimmtes Zertifikat aus nachvollziehbaren Gründen nicht vorlegen kann, sofern diese eine gleichwertige Qualitätssicherung oder ein vergleichbares Managementsystem belegen.
Die Annahme, dass eine ISO-Zertifizierung zwingend akkreditiert sein muss, ist einer der häufigsten Irrtümer im Markt. Tatsächlich gilt: Die ISO selbst macht keinerlei Vorgaben dazu, ob eine Zertifizierungsstelle akkreditiert sein muss. Die ISO definiert Anforderungen an Managementsysteme (z. B. ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 27001), nicht aber, wie die Zertifizierung organisatorisch auszugestalten ist. Eine akkreditierte Zertifizierung ist eine Option – aber keine grundsätzliche Pflicht.
| Aussage | Bewertung | Erklärung |
|---|---|---|
| Nicht akkreditiert = wertlos | ❌ Falsch | Bei nachgewiesener Kompetenz der Zertifizierungsstelle ist die Zertifizierung inhaltlich genauso aussagekräftig. |
| Nicht akkreditiert = nicht anerkannt | ⚠️ Teilweise | In einzelnen Branchen oder bei bestimmten Auftraggebern wird Akkreditierung verlangt, häufig werden jedoch auch gleichwertige Nachweise akzeptiert. |
| Nicht akkreditiert = keine Kompetenz | ❌ Falsch | Die fachliche Kompetenz von Auditoren und Zertifizierungsstellen kann unabhängig von einer Akkreditierung nachgewiesen werden. |
| Akkreditiert ist teuer | ✅ Richtig | Akkreditierungen verursachen hohe administrative Kosten, die in der Regel an die Kunden weitergegeben werden. |
Was drückt eine akkreditierte Zertifizierung aus?
Bei der Zertifizierung von Managementsystemen ist eine Akkreditierung lediglich ein zusätzliches Qualitätssignal: Eine nationale Akkreditierungsstelle (in Deutschland z. B. die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS)) bestätigt, dass eine Zertifizierungsstelle nach bestimmten Regeln arbeitet. Ein solches Qualitätssignal kann aber auch auf andere Weise erfolgen.
So kann eine Zertifizierungsstelle besondere Anforderungen an die Qualität der Auditoren stellen, zum Beispiel eine Zertifizierung nach den Richtlinien der IRCA (International Register of Certified Auditors).
Auch ist eine Mitgliedschaft in Verbänden wie dem Bundesverband unabhängiger Zertifizierungsstellen BVUZ ein Signal, dass die Zertifizierung klaren Qualitätsstandards unterliegt.
Was ist der Unterschied zwischen einer akkreditierten und einer nicht akkreditierten Zertifizierung?
Inhaltlich gibt es keinen Unterschied, da bei beiden Zertifizierungen die gleichen ISO-Normen geprüft werden. Der Unterschied liegt im Aufwand: Akkreditierte Zertifizierungen sind deutlich bürokratischer, zeitintensiver und kostenintensiver, da Zertifizierungsstellen zusätzliche formelle Anforderungen von Akkreditierungsstellen erfüllen müssen.
Der zentrale Punkt wird häufig übersehen: Die Anforderungen der ISO-Normen bleiben identisch – unabhängig davon, ob eine Zertifizierung akkreditiert ist oder nicht. Der Unterschied entsteht nicht im Managementsystem selbst, sondern in der Art und Weise, wie die Zertifizierungsstelle arbeitet und welche zusätzlichen Vorgaben sie erfüllen muss. Akkreditierungsstellen prüfen und überwachen Zertifizierer nach strengen formalen Kriterien. Das führt zu mehr Dokumentationspflichten, längeren Prozessen und höheren Kosten – ohne dass sich die eigentlichen Inhalte der ISO-Norm ändern.
Nicht akkreditierte Zertifizierung
Schnell
Die Zertifizierung kann in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen abgeschlossen werden.Weniger Bürokratie
Es werden ausschließlich die Anforderungen der ISO-Norm geprüft, ohne zusätzliche formale Vorgaben.Kosteneffizient
Die Kosten bleiben überschaubar, da keine zusätzlichen Akkreditierungsanforderungen erfüllt werden müssen.Zertifizierung remote
Die Audits können vollständig online durchgeführt werden, ohne Vor-Ort-Termine.Hohe Praxisnähe
Der Fokus liegt auf einer nutzenstiftenden Umsetzung im Unternehmen statt auf formaler Dokumentation.
Akkreditierte Zertifizierung
Langsam
Die Zertifizierung dauert häufig mehrere Monate, da zusätzliche Prüf- und Abstimmungsprozesse erforderlich sind.Hohe Bürokratie
Neben den ISO-Anforderungen müssen umfangreiche Vorgaben der Akkreditierungsstellen erfüllt werden.Teuer
Die Kosten sind deutlich höher, da zusätzliche Prüfungen, Dokumentationen und formale Anforderungen anfallen.Auditierung vor Ort
Die Zertifizierung ist häufig mit physischen Audits vor Ort verbunden, die zusätzlichen Aufwand verursachen.Weniger praxisnah
Der Fokus liegt stärker auf Formalität und weniger auf dem konkreten Nutzen im Unternehmensalltag.
Als Verantwortliche – insbesondere in einem kleinen Unternehmen – sollten Sie sorgfältig abwägen, ob der zusätzliche Aufwand und die höheren Kosten einer akkreditierten Zertifizierung durch einen entsprechenden Mehrwert tatsächlich gerechtfertigt sind. Zudem besteht in der Praxis sowohl bei öffentlichen Auftraggebern als auch bei Konzernen in der Regel Verhandlungsspielraum: Nicht akkreditierte Zertifizierungen werden sehr oft akzeptiert, insbesondere wenn sie durch einen ausführlichen Zertifizierungsbericht transparent belegt sind – was Ihnen schnell mehrere tausend Euro an Kosten und mehrere Monate Arbeit ersparen kann.
Wie ist die rechtliche Situation?
Es gibt zahlreiche Entscheidungen, die bestätigen, dass eine Akkreditierung keine zwingende Voraussetzung für die rechtliche Wirksamkeit einer ISO-Zertifizierung ist.
So stellt beispielsweise das OLG Köln (Urteil vom 30.09.2015 – 26 U 9/15) klar, dass beide Formen der Zertifizierung die gleiche rechtliche Wirksamkeit haben: „Die rechtliche Wirksamkeit eines Zertifikats hängt somit – bislang – nicht davon ab, ob die Zertifizierung durch eine Stelle mit oder ohne Akkreditierung erfolgt ist.“
Die folgende Übersicht zeigt weitere zentrale Entscheidungen, die diese Rechtsauffassung bestätigen und konkretisieren:
| Entscheidung | Kernaussage |
|---|---|
| OLG Düsseldorf, 04.12.2012 (I-23 U 181/11) | Eine Akkreditierung ist keine zwingende Voraussetzung für eine wirksame ISO-Zertifizierung; auch ohne Akkreditierung können gültige Zertifikate ausgestellt werden. |
| OLG Köln, 30.09.2015 (26 U 9/15) | Es besteht keine gesetzliche Pflicht zur Akkreditierung; die Wirksamkeit eines Zertifikats hängt nicht von einer Akkreditierung ab, sondern diese ist lediglich ein Qualitätsmerkmal. |
| VK Bund, 28.05.2020 (VK 2-29/20) | ISO-Zertifikate sind unternehmensgebunden und können nicht auf andere Unternehmen übertragen werden; ein fremdes Zertifikat ist kein gültiger Nachweis. |
| VK Bund, 19.07.2019 (1 VK 39/19) | Öffentliche Auftraggeber dürfen eine ISO/IEC 27001-Zertifizierung verlangen, wenn dies sachlich begründet ist; gleichwertige Nachweise müssen jedoch grundsätzlich zugelassen werden. |
Damit ist eine Linie der Rechtsprechung erkennbar: Eine Akkreditierung ist kein zwingendes Merkmal für die Gültigkeit oder „Echtheit“ eines ISO-Zertifikats. Vielmehr zeigt die Rechtsprechung eindeutig, dass Akkreditierung in erster Linie ein freiwilliger Qualitätssicherungsmechanismus ist – nicht jedoch eine rechtliche Voraussetzung für eine wirksame Zertifizierung.
Braucht man für eine Ausschreibung eine akkreditierte ISO-Zertifizierung?
Nur sehr eingeschränkt. Im öffentlichen Vergaberecht wird häufig auf Zertifikate Bezug genommen. Das regelt § 49 der Vergabeverordnung (VgV). Gleichzeitig stellt der Gesetzgeber klar, dass Unternehmen nicht benachteiligt werden dürfen, wenn sie ein bestimmtes Zertifikat nicht vorlegen können. Entscheidend ist der Nachweis der inhaltlichen Gleichwertigkeit. Öffentliche Auftraggeber müssen alternative Nachweise akzeptieren, wenn diese belegen, dass ein Unternehmen vergleichbare Standards erfüllt.
In vielen Ausschreibungen findet sich die Formulierung „oder ein vergleichbares Managementsystem“. Diese Formulierung bedeutet in der Regel, dass auch ein nicht akkreditiertes Zertifikat anerkannt wird. Praxistipp: Sprechen Sie die ausschreibende Stelle an und fragen, in welchen Fällen auch eine nicht akkreditierte Zertifizierung akzeptiert wird. Nutzen Sie dafür beispielsweise die folgende Vorlage:
Betreff: Rückfrage zu gleichwertigen Nachweisen im Rahmen Ihrer Ausschreibung
Sehr geehrte Damen und Herren,
als [Name des Unternehmens] planen wir, an Ihrer Ausschreibung [Titel/Referenz der Ausschreibung] teilzunehmen.
Aktuell befinden wir uns in der Umsetzung einer Zertifizierung nach [ISO-Norm, z. B. ISO 9001 / ISO 14001 / ISO 27001] und werden diese voraussichtlich bis zum [Datum eintragen, das vor Ende der Ausschreibungsfrist liegt] abschließen.
Vor diesem Hintergrund möchten wir uns erkundigen, welche gleichwertigen Nachweise Sie im Sinne von § 49 der Vergabeverordnung (VgV), wonach auch alternative Nachweise zu berücksichtigen sind, anstelle einer akkreditierten Zertifizierung akzeptieren.
Beispielsweise könnte der Nachweis in einer freien Zertifizierung durch eine renommierte Gesellschaft mit nachgewiesenen Referenzen bestehen, deren Gleichwertigkeit durch Zertifizierungsrichtlinien, Kompetenznachweise des Auditors sowie einem normkonformen Zertifizierungsbericht nachgewiesen wird.
Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns kurz mitteilen könnten, welche Nachweise in Ihrem konkreten Vergabeverfahren als gleichwertig anerkannt werden.
Vielen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung.Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Position]
[Unternehmen]
Eine einzige E-Mail kann einem Unternehmen mehrere tausend Euro und Monate zusätzlicher Arbeit ersparen.
Welche Vorteile hat die Anerkennung einer unabhängigen (nicht akkreditierten) ISO-Zertifizierung für Auftraggeber?
Die Anerkennung einer nicht akkreditierten Zertifizierung kann für Auftraggeber erhebliche Vorteile bringen – insbesondere mehr Flexibilität, eine größere Auswahl an geeigneten Lieferanten sowie eine stärkere Fokussierung auf praxisrelevante Prüfungsinhalte bei gleichzeitig rechtlicher Sicherheit.
Für Auftraggeber, egal ob privatwirtschaftlich oder öffentlich, eröffnet die Anerkennung alternativer Nachweise zusätzliche Handlungsspielräume. Entscheidend ist nicht die formale Akkreditierung, sondern ob ein Unternehmen nachweislich ein wirksames Managementsystem betreibt. Die folgende Tabelle zeigt zentrale Kriterien, die Sie bei der Bewertung unterstützen:
Flexiblere und leistungsfähigere Lieferkette
Sie erhalten Zugang zu kleineren, schnelleren und innovativeren Unternehmen, die pragmatisch arbeiten und sich zügig an neue Anforderungen anpassen können – statt sich auf Anbieter zu beschränken, die durch akkreditierungsbedingte Formalien oft schwerfälliger und weniger flexibel agieren.Beschleunigte Lieferantenqualifizierung
Unabhängige Zertifizierungen ermöglichen deutlich schnellere Prüf- und Zertifizierungsprozesse, sodass neue Lieferanten schneller qualifiziert und eingesetzt werden können.Zertifizierungsaudits mit höherem Praxisbezug
Unabhängige Zertifizierungen konzentrieren sich stärker auf die für Sie relevanten Abläufe und Risiken – mit deutlich weniger durch Akkreditierungsvorgaben getriebenen Formalismen –, sodass Sie ein realistischeres Bild der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens erhalten.Ganzheitliche Bewertung statt reiner Normabweichungen
Sie erhalten ein vollständigeres und realistischeres Bild des Unternehmens, da unabhängige Zertifizierungsstellen nicht nur Abweichungen zur Norm dokumentieren, sondern Zertifizierungen wie ein stellvertretendes Kundenaudit durchführen – mit Fokus auf Stärken und Schwächen gleichermaßen.Beschleunigter Gewinn von Rechtssicherheit
In regulierten Bereichen können Auftraggeber schneller nachweisen, dass sie gesetzliche Anforderungen erfüllen. Die Überprüfung nach Standards wie ISO 27001 – etwa im Kontext von NIS2 – erfolgt gezielt und ohne zeitliche Verzögerungen durch zusätzliche formale Vorgaben.
Kann ich eine nicht akkreditierte Zertifizierung für Marketing und Werbung nutzen?
Ja. Unabhängig davon, ob eine Zertifizierung akkreditiert ist oder nicht, dient sie in beiden Fällen als Nachweis, dass ein Unternehmen ein Managementsystem implementiert hat und Themen wie Qualität, Umweltschutz oder Informationssicherheit systematisch steuert. Für Kunden und Interessenten zählt in erster Linie, dass nachvollziehbare Prozesse existieren und das Unternehmen strukturiert arbeitet – genau das belegt auch eine nicht akkreditierte Zertifizierung.
Die Wahl der Zertifizierungsart ist letztlich eine klassische Kosten-Nutzen-Abwägung. Entscheidend ist die Frage: Entsteht für Ihr Unternehmen ein konkreter Mehrwert, wenn Sie deutlich mehr Zeit und Geld in eine akkreditierte Zertifizierung investieren? Wenn keine expliziten Anforderungen von Kunden, Märkten oder Ausschreibungen bestehen, ist dieser Mehraufwand in vielen Fällen nicht notwendig.
