Warum gibt es ISO 9001? Einfach erklärt | DICIS AG
Warum lässt ISO 9001:2026 so viele Interpretationsspielräume?
Viele Führungskräfte und Beschäftigte in Unternehmen – aber auch Auditoren und Auditorinnen von Managementsystemen – machen den Fehler, dass sie eine Norm wie ISO 9001 primär als ein Abarbeiten von Checklisten sehen.
Doch das sture Abarbeiten von Checklisten widerspricht dem Geist von ISO 9001!
Vor 2026 war ISO 9001 tatsächlich deutlich stärker durch Formalismen geprägt als heute. So war es bis 2025 beispielsweise erforderlich, Qualitätsmanagementbeauftragte im Unternehmen zu etablieren und ein Qualitätshandbuch zu erstellen. Das hatte einen enormen bürokratischen Aufwand zur Folge, weshalb das Managementsystem – entgegen dem Willen der ISO (International Organization for Standardization) viele kleine und mittlere Unternehmen nicht erreichte. Für sie war der formalistische Aufwand schlicht und ergreifend zu groß.
Durch die Revision der Norm im Jahr 2015 bietet ISO 9001 Unternehmen einen deutlich größeren Spielraum. Gerade auch im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung ist heute z.B. kein Qualitätsmanagementhandbuch mehr erforderlich. Es ist wichtiger, dass Unternehmen im Geist der Norm handeln, als dass bürokratische Formalien erfüllt werden.
Entsprechend verändert sich auch die Rolle von Auditoren und Auditorinnen. Verlief ein Audit früher fast wie eine TÜV-Prüfung bei einem Kraftfahrzeug streng nach Checkliste, sind Auditoren und Auditorinnen heute vielfach Coaches bei der Anwendung und Umsetzung des Managementsystems.
Natürlich müssen sie weiterhin prüfen, inwieweit die Regularien von Normen wie ISO 9001 eingehalten werden, jedoch sind die Kriterien zur Erteilung einer ISO-Zertifizierung ebenfalls interpretierbarer als früher.
Fazit: ISO 9001:2015 hat das Ziel, Unternehmen besser zu machen
Bringt man es auf den Punkt, lässt sich als Kern der ISO 9001-Philosophie folgendes festhalten: Es geht darum, Unternehmen zu größerem Erfolg und mehr Wachstum zu verhelfen.
Auch andere Normen wie ISO 56002, die ISO-Norm zum Innovationsmanagement, verfolgen dieses Ziel. Es geht nicht darum, Innovation zu normieren und zu standardisieren, sondern ein Managementsystem zu entwickeln, das Unternehmen bei der Entwicklung neuer und innovativer Wege unterstützt.
Dieser veränderte Geist und das Verständnis von dem, was die Norm eigentlich ist, wird sich in den nächsten Jahren weiter durchsetzen. In Zukunft wird Qualitätsmanagement nach ISO 9001 nicht nur als Checkliste, sondern vor allem auch als Philosophie zum Management exzellent arbeitender Unternehmen verstanden werden.
